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Brückenneubau in Genua: Wie ein Phönix aus der Asche

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Es war ein überaus ambitionierter Plan, den Genuas Stadtregierung der Bevölkerung zu Beginn des Jahres 2019 präsentierte: Im Rekordtempo von nur sieben Monaten Bauzeit sollte die am 14. August 2018 eingestürzte Morandi-Brücke wieder aufgebaut werden.

G roße Worte, selbst wenn Italien ein Land wäre, welches neben stabilen politischen Verhältnissen für finanzielle Transparenz im öffentlichen Sektor und für perfektes Zusammenspiel zwischen Planung und baulicher Umsetzung bekannt wäre.

Symbol für Hoffnung und Neubeginn


Es schien, als ob der Appell von Bürgermeister Marco Bucci unmittelbar nach dem Unglück, der Einsturz werde Genua nicht in die Knie zwingen, als Schlachtruf für alle am Neubau Beteiligten zu verstehen gewesen war. Der Grund: Die 1,1 Kilometer lange Brücke ist Genuas wichtigste Verkehrsanbindung in das Umland und zusätzlich Bindeglied zwischen zwei dicht besiedelten Stadtteilen. Aber auch an staatstragender Symbolik spart der Neubau des Polcevera-Viadukts, so die korrekte Bezeichnung, nicht. Es galt nicht zuletzt, auch die Handlungsfähigkeit eines ganzen Landes unter Beweis zu stellen, welches auch vor Corona nicht unbedingt für strategisches Krisenmanagement bekannt war. Mobilisiert wurde aber nicht nur der italienische Nationalstolz. Binnen kürzester Zeit wurde ein Notfallgesetz erlassen, welches die private Betreibergesellschaft für Autobahnen und Brücken, die für das Unglück verantwortlich war, die notwendigen Geldmittel zur Verfügung stellen ließ. An Kosten genannt werden insgesamt zwischen 200 und 400 Mio. Euro. Auch Zuschüsse aus staatlichen Mitteln wurden lukriert.

Kraftakt mit Fingerspitzengefühl


Kaum je zuvor gab es einen vergleichbaren architektonischen Kraftakt zu bewältigen, der angesichts der Umstände mit enormem Fingerspitzengefühl kommuniziert und realisiert werden musste. Das Team rund um den preisgekrönten italienischen Star-Architekten Renzo Piano hatte aber nicht nur mit dem Schatten des tragischen Ereignisses zu kämpfen. Auch der Zeitdruck und das enorme mediale Interesse verlangten allen an den Bauarbeiten Beteiligten - insgesamt über 1000 Personen - Höchstleistungen ab.

Der Entwurf, den der gebürtige Genueser seiner Heimatstadt als Geschenk verehrte, sah eine schlichte Balkenbrücke mit Stahlverbundkonstruktion vor, die von Stahlbetonpfeilern getragen wird. Im Gegensatz zu anderen kleinen und dennoch großen Bauprojekten wie einem Sporthallen bau oder einem Tennishallen bau, war das eine ganz neue Dimension in der Welt des Bauens.

Die Eröffnung der neuen Autobahnbrücke, die künftig den Namen „Genova San Giorgio“ tragen wird, fand am 3. August 2020 in pietätvollem, von Respekt den Opfern und ihren Familien gegenüber geprägtem Rahmen statt. Neben der Last von bis zu 2500 Tonnen Verkehr täglich, wird sie auch die Last der Erinnerung zu schultern haben: Eine Straßenlaterne für jedes der 43 Opfer sorgt dafür, dass der Viadukt in Zukunft stummes Mahnmal für Entscheidungsträger in der Baubranche sein wird. Eine Last, die nur schwer zu beziffern ist.

Über den Autor


Marco Schmitz
Beschäftigt sich mit vielen Themen des Internets. Er schreibt bereits seit einigen Jahren Artikel mit dem Themenschwerpunkt: Aktuelles Zeitgeschehen und Technik. Schreibt seit dem 17.08.2012 für diese WissenOnline.

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