Schafe als Landschaftsgärtner

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Schafe gehören zur Landschaft Mallorcas wie das Salz in die Suppe. Über 300.000 bevölkern die Insel.

Z wei einheimische Inselrassen gib es, zu denen allerdings nur ein kleiner Anteil der Schafe gehört: Die meisten von ihnen (6500) zählen zur Rasse des weißen mallorquinischen Schafs und nur noch 600 Individuen vertreten die Rasse des roten mallorquinischen Schafs, das aufgrund der geringen Bestandsdichte Gefahr läuft auszusterben. Die Schafe bleiben die meiste Zeit des Jahres sich selbst überlassen. Schäfer nach mitteleuropäischem Vorbild als ganzjährige Bewacher und Antreiber von Wanderherden gibt es hier nicht. Auch das historische Berufsbild des mallorquinischen Schäfers, der als Auftragsarbeit für Hut und Schur der Schafe eines Dorfes verantwortlich zeichnete, war schon im ausgehenden 19. Jahrhundert überholt. Schafhalter sind heute selbstständige landwirtschaftliche Unternehmer und die Schafe ihr Eigentum.

Auch in eindeutig ackerbaulich geprägten Landschaften wie dem Es Pla de Mallorca und sogar im Raiguer sind sie anzutreffen. Dort wirken sie, vielfach unter Mandelbäumen weidend, als unverzichtbares malerisches Stilmittel. Für die Menschen hier war die Schafhaltung immer ein Zusatzerwerb oder diente zur Vervollständigung des Speiseplans der bäuerlichen Familien. Ganz anders dagegen in den unfruchtbaren Marinas und rauen Bergländern. Für ihre Bewohner war die Schafhaltung Haupteinkommensquelle und Existenzgrundlage, weil das steinige Land, die schlechten Böden und die extremeren Klimaverhältnisse hier zumeist keine andere Form der Landwirtschaft zuließen. Entsprechend große Flächen ehemaliger Steineichen- und Kiefernwälder wurden in den Serres de Llevant bei Cala Ratjada zu baumlosen Flächen, auf denen das Vieh weiden konnte, umfunktioniert.

Der Begriff Weidefläche mutet beim Anblick dieser Flächen eigentümlich an, hat ihre Vegetation doch so gar nichts gemein mit den Grasländern, die in Mitteleuropa als Weide bezeichnet werden. Ohne Zusatzfütterung ernährte sich das Vieh von den Pflanzen, die den ständigen Verbiss überlebten, und von dem, was die Pflanzen kontinuierlich nachproduzieren konnten. Auf den kargen Böden der Serres de Llevant ist die Produktionsleistung der Pflanzen sehr gering.

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