EZB senkt Leitzins auf null Prozent

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Die EZB hat am 10.03.2016 beschlossen, erstmals den Leitzins im Euroraum auf null Prozent zu senken. Zuvor stand er seit September 2014 ohnehin schon auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Die Maßnahme wurde vom Rat in seiner EZB-Ratssitzung in Frankfurt beschlossen. Ebenfalls wurde festgelegt, dass ab April 2016 das Anleihenkaufprogramm von 60 Milliarden Euro pro Monat auf nunmehr 80 Milliarden Euro erhöht wird.

M ario Draghi, Präsident der EZB, verkündete auf einer Pressekonferenz, dass der Zinssatz noch sehr lange auf dem gegenwärtigen oder sogar auf noch niedrigerem Niveau bleiben wird. Die EZB setzt durch diesen Beschluss, der viele Ökonomen überraschte, ihre bisherige Geldpolitik des Niedrigzins fort. Weiterhin möchte sie die Darlehensvergabe für Unternehmen und private Haushalte weiter ankurbeln, indem sie insgesamt vier besonders günstige Kreditrichtlinien auflegt. Die Notenbank möchte mit diesen "TLTRO-Geschäften" schon im Juni 2016 starten.

Weiterhin schleppende Konjunktur im Euro-Raum


Einer der Gründe für die Maßnahme der Währungshüter ist die schleppende Konjunktur im Bereich der Eurozone. Ebenfalls führt die Senkung der Preise dazu, dass die Teuerungsrate gegen null zurückging oder die Verbraucherpreise sogar fielen. Die EZB verfolgt durch die Niedrigzinsen das Ziel, die Inflation anzuheizen, da dauerhafte niedrige oder sogar fallende Preise ein Risiko für die Konjunktur darstellen. Es wird befürchtet, dass Unternehmen und private Haushalte notwendige Anschaffungen zurückstellen könnten, weil sie erwarten, dass die Preise noch weiter fallen.

Die Zentralbank verschärfte ebenfalls die Strafzinsen für Banken. Kreditinstitute, die überschüssiges Geld bei der Notenbank "parken", müssen statt eines Einlagensatzes von bisher minus 0,3 Prozent jetzt 0,4 Prozent zahlen. Dadurch möchte die EZB die Vergabe von Krediten in der Eurozone weiter ankurbeln. Zumindest theoretisch bedeutet dies, wenn Banken für die Hinterlegung liquiden Geldes bezahlen müssen, werden sie eher dazu gebracht, dieses Geld in Form von Krediten an Firmen oder Verbraucher zur Verfügung zu stellen.

Der Beschluss wird besonders Kreditnehmer freuen, weil sie weiter "billiges Geld" erhalten können. Allerdings werden private Anleger, die vorhandenes Kapital gewinnbringend anlegen möchten, weiterhin nur minimale Zinsen (zum Beispiel für bei Tagesgeld, Festgeld, Sparbuch, u.s.w.) erhalten.

Begrifflichkeiten zum Thema:


Anleihenkaufprogramm: Die EZB kauft Staatsanleihen / Wertpapiere im Wert von 60 Milliarden (80 Milliarden ab April 2016) je Monat an und pumpt damit Geld in das Finanzsystem.

EZB: Die Europäische Zentralbank, hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und ist seit 1998 ein Organ der Europäischen Union.

Konjunktur: Gesamtwirtschaftliche Situation / Entwicklung.

Leitzins: Der Leitzins ist der von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegte Zinssatz, zu dem die EZB mit Banken Geschäfte abschließt. Er gilt als Indikator und zentrales Steuerungselement für die Geldpolitik.

Teuerungsrate: Oder auch als Inflation, bezeichnet ein Missverhältnis zwischen vorhandener Geldmenge und dem Warenangebot einer Volkswirtschaft. Je höher die Inflation, umso weniger kann man für die gleiche Summe Geld kaufen.

Zinssatz: Zins oder auch Zinsfuß - Wird als Prozent angegeben und ist beschreibt den Preis für geliehenes Kapital.

Bild: © pogonici - Fotolia.com #101698544

Über den Autor


Marco Schmitz
Beschäftigt sich mit vielen Themen des Internets. Er schreibt bereits seit einigen Jahren Artikel mit dem Themenschwerpunkt: Aktuelles Zeitgeschehen und Technik. Schreibt seit dem 17.08.2012 für diese WissenOnline.
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